Nordstadt-Gemeinde Wolfsburg

Reformation im Dialog 2:

 

Kunst und Religion im Dialog

 

Wie konnte die Reformation so erfolgreich sein?

Das ist Martin Luthers Verdienst, aber nicht nur.

Die Erfindung der Buchdruckkunst durch Gutenberg machte es möglich, Luthers Schriften und Bibelübersetzungen zu verbreiten. Aber nur wenige Menschen konnten damals lesen. Deshalb texteten reformatorische Dichter neue Lieder für den Gottesdienst und Hausgebrauch, die den erneuerten Glauben stärkten und  verbreiteten.

Auch die Kunstmaler trugen dazu bei, dass reformatorische Glaubensinhalte  erfolgreich verbreitet wurden. Der berühmteste unter ihnen war der Wittenberger Kunstmaler Lucas Cranach, der 1473 im fränkischen Kronach geboren wurde. 1505 erhält er die Anstellung als Hofmaler von Friedrich dem Weisen und dient bis zu seinem Tod 1553 auch dessen Nachfolgern. Im Auftrag der sächsischen Kurfürsten schafft er Portraits der fürstlichen Familie, Holzschnitte von Jagden und Turnieren, entwirft Hofgewänder und dekoriert Räume der sächsischen Schlösser.

Als er 1511 seine Werkstatt nach Wittenberg verlegt, lernt er Martin Luther kennen, zu dem ihn bald eine enge Freundschaft verbindet. Er ist Trauzeuge bei der Eheschließung Martins mit Katharina von Bora und wird Taufpate des ersten Sohnes Johannes. Seine berühmten Portraits von Martin Luther wurden, vielfach kopiert, ein Verkaufsschlager.

Schon seine Zeitgenossen waren verblüfft von der Produktivität Cranachs.  Er hatte eine sehr gut organisierte Werkstatt aufgebaut, in der erfolgreiche Muster aufgehoben und für spätere Aufträge weitergenutzt wurden: Für  die Reformatorenporträts wurden Vorlagen verwendet, die später immer wieder verwendet und durch veränderte Bartlängen oder ergraute Haare dem gealterten Aussehen der Dargestellten einfach angepasst wurden. Seine zahlreichen Lehrlinge und Gesellen waren so strenger Disziplin und einem genormten Stil unterworfen, das später eine Zuordnung der Bilder zu Cranach oder seinen Schülern schwer wurde.

Als guter Geschäftsmann suchte er auch nach weiteren Einnahmequellen und erhielt das Apothekerprivileg in Wittenberg. Zudem wurde er mehrfach zum Bürgermeister gewählt.

Er illustrierte die reformatorischen Schriften und die Gesamtdeutsche Bibel und trug erheblich zur Verbreitung des reformatorischen Glaubens bei.

(Uta Heine)


Im Gespräch mit Dimitri Tukuser, Vorstandsmitglied
der Liberalen Jüdischen Gemeinde Wolfsburg/Region Braunschweig

Dimitri Tukuser ist in Litauen geboren und lebt seit 1989 in Deutschland, zunächst in Magdeburg und jetzt in Braunschweig. Er war vor etwa 13 Jahren Mitbegründer der Liberalen Jüdischen Gemeinde Wolfsburg/Region Braunschweig. die am Anfang 10 Mitglieder hatte.

Zu Beginn hatte man nicht erwartet, dass die Gemeinde eine lange Zukunft hat. Aber jetzt ist die Gemeinde auf mehr als 30 Personen angewachsen, hat ausreichende Räume und seit März auch ein jüdisches Feld auf dem Nordfriedhof.

Seit über 200 Jahren gibt es das liberale Judentum in Deutschland. Im Laufe der Zeit hat sich vieles weiterentwickelt und verändert. Ab Ende des 19.Jahrhunderts spielten die Frauen eine größere Rolle. Frauen haben Stimmrecht bekommen und wurden in die Vorstände gewählt. Mit Regina Jonas gab es die erste Frau, die zur Rabbinerin ordiniert wurde. Sie predigte in den 1930er bis 1940er Jahren in mehreren Synagogen in Berlin. Sie starb im Dezember 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau.

Auch der Ablauf der Gottesdienste wurde erheblich verändert. Die Zeit beträgt bei den liberalen Juden nur noch ca. eine Stunde (bei einigen Gottesdiensten etwas kürzer, bei anderen etwas länger), anstatt vorher 2 bis 3 Stunden. Musik wurde eingeführt. Die Rolle des Gesanges wurde vergrößert, anfangs auch Orgelmusik, die gibt es jetzt aber regulär nicht mehr. Die Kleidung wurde angepasst. Die Predigt erfolgt in deutscher Sprache. Grund hierfür ist auch, dass für das Erlernen der hebräischen Sprache durch die verschiedensten Aufgaben und die Teilnahme am öffentlichen Leben die Zeit fehlt. Aber die Toralesung erfolgt in der hebräischen Sprache. Eine eigene Torarolle zu haben ist ein großer Traum von Herrn Tukuser und allen Gemeindemitgliedern.

Herr Tukuser, der immer auf der Suche nach der eigenen paritätischen Position ist, erzählte mir von Herausforderungen, die Kontakte zu Menschen aus anderen Religionen mit sich brachten. Den Umgang hiermit musste er sich erst erarbeiten. Wobei dabei auch eigene Ängste, eigene Positionen und das eigene Gesicht zu verlieren in Bezug auf Feiertage und Rituale zu überwinden waren. Als Beispiele nannte er den anderen Zeitpunkt des Weihnachtsfestes bei den Christen. In der Zwischenzeit hat er verstanden, dass da keine Konkurrenz ist und alles seinen Platz hat. Er wusste auch zu Anfang nicht, wie er mit einer Einladung von muslimischen Jugendlichen zum Fastenbrechen umgehen sollte. Jetzt hat er für sich dafür einen gangbaren Weg gefunden. Er fastet am Tag des Fastenbrechens einfach mit.

Das Zusammenleben und der Umgang von Herrn Tukuser mit den Jugendlichen mit verschiedenen Religionshintergründen ist geprägt durch die Arbeit und persönliche Kontakte. Er ist offen für Gespräche und sieht die Unterschiede als Bereicherung und Herausforderung an.

Sein Fazit: Gott hat uns als Menschen geschaffen, erst später sind wir zu Juden, Christen und Moslem geworden.

Das Gespräch führte Helga Wißmann

(Mitglied der Redaktion)